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Zuneigung PDF Drucken E-Mail

Wahre Nächstenliebe ist mehr als die Fähigkeit zum Mitleid, es ist die Fähigkeit zur Zuneigung. Mitleid braucht nicht mehr zu bedeuten als das Ausschreiben eines Schecks. Zuneigung hingegen bedeutet persönliche Anteilnahme, die unsere ganze Seele fordert. Mitleid mag einem unbestimmten Begriff wie Menschlichkeit entspringen. Zuniegung wächst aus der bestimmten Sorge um einen Menschen in Not, mit seinem Schmerz, seinem Leid, seinen Lasten. Unsere Missionsanstrenungen schlagen fehl, wenn sie sich auf Mitleid gründen anstatt auf Mitleiden. Anstatt nachzudenken, wie wir etwas mit den Afrikanern und Asiaten tun können, haben wir zu oft überlegt, wie etwas für sie zu tun wäre. Mitleid, das der Zuneigung entbehrt, führt oft zu einer neuen Form der Betreuung, die kein Mensch ertragen kann, der sich selbst achtet. Dollars können den verwundeten Kindern Gottes an den Straßenrändern des Lebens helfen . Wenn diese Dollars aber nicht von liebenden Händen verteilt werden, können sie weder dem Geber noch dem Empfänger nützen. Millionen von Dollars sind in die afrikanischen Missionen geschickt worden von Menschen, die lieber sterben würden, als einen Neger in ihre Gemeinde aufzunehmen. Millionen werden für das Friedenskorps in Afrika ausgegeben, weil Männer dafür eingetreten sind, die sich zugleich Mühe geben, afrikanische Diplomaten aus ihren Clubs und der Umgebung ihrer Häuser fernzuhalten. Das Friedenskorps wird versagen, wenn es versucht, etwas für die Völker der unterentwickelten zu tun.
Es wird Erfolg haben, wenn es sich schöpferisch bemüht, etwas mit ihnen zu unternehmen. Es wird versagen, wenn es nur eine Geste im Kampf gegeen den Kommunismus ist, und Erfolg haben, wenn es dafür kämpft, Armut, Unwissenheit und Krankheit von der Erde zu vertreiben. Geld ohne Liebe ist wie Salz ohne Kraft. Es taugt nur, um unter den Füßen der Menschen zertreten zu werden. Wahre Nachbarschaft verlangt persönliche Anteilnahme. Der Samariter verbanden mit eigenen Händen den Mann, der unter Räuber gefallen war, und setzte darüber hinaus eine überströmende Liebe ein, um die seelische Wunden des Zerbrochenen zu heilen.
Ein anderes Zeichen für die wahre Uneigennützigkeit des Samariters ist, daß er weit mehr tat als seine bloße Pflicht. Nachdem er sich um die Wunden des Mannes gekümmert hatte, legte er ihn auf sein Tier, brachte ihn in eine Herberge, hinterließ Geld für seinen Pflege und versprach, auch weiter zu helfen, wenn es sich als notwendig erweisen sollte....... Seine Liebe war vollständig. Es gibt erzwingbare und nicht erzwingbare Verpflichtungen. Die einen sind durch den Druck der Gesellschaft und der Gesetzgeber geordnet.... Die anderen aber stehen jenseits der Reichweite von Gesellschaft und Gesetz. Sie betreffen innere Verhaltensweisen, echte mitmenschliche Beziehungen und Handlungen des Mitleidens.... Das von Menschen geschaffene Gesetz sichert Gerechtigkeit, das innere Gesetz schafft Liebe.

Herzlichen Dank an Björn Gam für die Abschrift des Textes aus dem Buch: Martin Luther King, »Ich habe einen Traum - Text und Reden«, Kiefel Verlag

 

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