| Der Nächste |
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Mehr als je zuvor sind Menschen aller Rassen und Völker aufgerufen, nachbarlich zu leben. Der Ruf nach weltweiter guter Nachbarschaft ist mehr als ein zündendes Losungswort. Es ist der Ruf zu einer Lebensweise, die aus einem gegenwärtigen weltweiten Klagelied eine Melodie schöpferischer Erfüllung werden lassen kann. Wir können uns nicht länger den Luxus erlauben, aneinander vorüberzugehen. Einst nannte man solchen Irrsinn moralisches Versagen; heute würde er zum Selbstmord der Welt führen. Wir können nicht lange überleben, wenn wir in einer geographischen zusammen-gerückten Welt geistig voneinander getrennt bleiben Ich darf den Mann auf der Straße von Jerusalem nach Jericho nicht vergessen, denn er ist ein Teil von mir, wie ich ein Teil von ihm bin. Sein Todeskampf schwächt mich, seine Rettung erhebt mich. In unserem Bemühen um Nächstenliebe haben wir außer dem barmherzigen Samariter auch Christus zum Vorbild. Seine Nächstenliebe war weltumspannend. für ihn waren alle Menschen Brüder, auch die Zöllner und die Sünder. Auch Christi Nächstenliebe war gefährlich, denn sie führte ihn auf die gefahrvollsten Wege; sie war überströmend, denn aus Nächstenliebe starb er am Kreuz, als leuchtendstes Beispiel der Geschichte für einen Gehorsam gegenüber dem nicht Erzwingbaren. Herzlichen Dank an Björn Gam für die Abschrift des Textes aus dem Buch: Martin Luther King, »Ich habe einen Traum - Text und Reden«, Kiefel Verlag |






